Gedanken an ‘Luchen’:
"Fast 16 Jahre hast Du mich durch mein Leben begleitet. Am 17.12.1961 wurdest Du geboren. Du warst das einzige Weibchen unter Deinen Geschwistern und wurdest die Stammmutter der Eurasier vom Jägerhof. Du hast ein freies, königliches Leben geführt und hast uns durch Dein Wesen bezaubert. Du warst klug, bescheiden, zärtlich, selbstbewusst, flink, geschickt, ausdauernd und eine tolle Springerin. Als Du noch im Babyzwinger im Kuhstall lebtest, bist Du schon im Alter von 8 Wochen über das ein Meter hohe Gatter geklettert und später, auch wieder als erste vor Deinen Geschwistern, über die mehr als ein Meter hohe Stalltür gehopst. Dich und Deine Geschwister habe ich im Frühjahr mit gehackten Brennnesseln im Futter aufgezogen. Ihr brauchtet keine Vitamindrops, keinen Lebertran usw. und wart voll sprühenden Lebens.
Richtig heißt Du ja BERIT, aber für mich warst Du sehr schnell die Berit-Lu und bliebst dann einfach „mein liebes Luchen“. Du konntest so unschuldig drein sehen und warst doch so durchtrieben. Deinen Bruder Brumbo hatte ich als Lebensgefährten für Dich ausersehen. Er war immer sehr vorsichtig, Du dagegen warst immer sofort bei allem dabei. Ihr wart ca. 12 Wochen alt, als ich Euch zur Gewichtskontrolle auf die Dezimalwaage setzte. Zuerst kam Dein Bruder Brumbo dran. Dreimal versuchte ich ihn zu wiegen, und immer, wenn es ans Tarieren ging und die Waage ins Schweben kam, gab es bei Brumbo kein Halten ... fort war er. Da stiegst Du, mein Luchen, ungebeten auf die Waage, setztest Dich hin und ließest Dich wiegen.
Es war, als hättest Du gewußt, worauf es ankam und als wolltest Du deinem Bruder zeigen, wie es ging. Er ließ sich dann tatsächlich auch wiegen. Wenn ich Euch losließ, damit Ihr Euer Geschäft machen konntet, seid Ihr immer ein ganzes Stück weggelaufen. Wenn ich dann rief, war es oft so, dass Du nicht kommen wolltest. Ihr gucktet mich dann an, etwa so: Die Botschaft hör ich wohl. Du warst es dann immer, der gerne noch ein wenig frei wollte. Du gucktest Brumbo an. Es war, als ob Du sagtest: ‘Sollen wir?‘ und dann ‘Komm, komm, geh nicht!‘ und weg wart Ihr. Damals war das nicht schlimm, Ihr wart jung, Tollwut und böse Menschen gab es nicht, so konntet Ihr in Freiheit tollen.“
Charlotte Baldamus